Zahnimplantat ohne Schrauben: Was steckt dahinter?
Ein Zahnimplantat ohne Schrauben klingt nach einem völlig anderen Verfahren, und genau so verstehen es viele Patientinnen und Patienten, wenn sie den Begriff zum ersten Mal lesen. Tatsächlich beschreibt er in den allermeisten Fällen nicht das Implantat selbst, sondern die Art, wie die Krone darauf befestigt wird. Diese Entscheidung wird selten offen besprochen, sie beeinflusst aber die Pflege, die Reparaturfähigkeit und das Verhalten des Zahnfleisches über Jahre hinweg. In diesem Beitrag erklären wir, was hinter dem Begriff steckt, worin sich verschraubte und zementierte Versorgungen unterscheiden und wie die Wahl getroffen wird.
Gibt es Implantate ohne Schrauben?
Nahezu jedes heute verwendete Zahnimplantat besitzt einen schraubenförmigen Körper, der in den Kieferknochen eingebracht wird. Das Gewinde ist kein gestalterisches Detail. Es vergrößert die Kontaktfläche zum Knochen und sorgt schon beim Einsetzen für Stabilität. Der Teil des Implantats im Knochen ist also immer eine Schraube.
Woher kommt dann die Formulierung Implantat ohne Schrauben? Sie meint in der Regel eines von zwei Dingen. Erstens eine Krone, die auf ein Aufbauteil zementiert wird, sodass auf dem Zahn kein Schraubenkanal sichtbar ist. Zweitens einteilige Implantate, bei denen Körper und Aufbau als eine Einheit gefertigt sind. Beides ist nicht dasselbe, und wer es verwechselt, startet mit einer falschen Erwartung in die Behandlung.
Wenn Sie zunächst den größeren Zusammenhang suchen: Unsere Seite Was ist ein Implantat erklärt die Grundlagen, und implantatgetragene festsitzende Prothesen stellt die Versorgungsvarianten vor.
Der eigentliche Unterschied: verschraubt oder zementiert
Sobald das Implantat mit dem Knochen verwachsen ist, kommt die Versorgung darauf. Für deren Befestigung gibt es zwei Wege.
Bei der verschraubten Versorgung wird die Krone oder Brücke mit einer prothetischen Schraube direkt am Implantat fixiert. Auf der Kaufläche oder der Rückseite des Zahns liegt eine kleine Zugangsöffnung, die anschließend mit Füllungsmaterial verschlossen wird. Bei genauem Hinsehen lässt sich diese Stelle manchmal erkennen.
Bei der zementierten Versorgung wird zuerst ein Aufbauteil auf dem Implantat befestigt, und die Krone wird mit einem Zement darauf geklebt. Auf dem Zahn ist keine Öffnung sichtbar, die Oberfläche bleibt durchgehend. Genau diese Variante ist meist gemeint, wenn von Implantaten ohne Schrauben die Rede ist.
Stärken und Grenzen der verschraubten Lösung
Die Verschraubung bietet vor allem für die langfristige Betreuung deutliche Vorteile:
- Abnehmbarkeit: Die Versorgung lässt sich aufschrauben und unbeschädigt entfernen. Für Kontrolle, Reinigung oder Reparatur ist das ein spürbarer Vorteil.
- Kein Zementüberschuss: Zement, der unterhalb des Zahnfleischrandes verbleibt, gilt als bekannter Auslöser für Entzündungen rund um Implantate. Bei der Verschraubung entfällt dieses Risiko vollständig.
- Auch bei geringer Höhe möglich: Ist der Abstand zum Gegenkiefer klein, fehlt unter Umständen die Fläche für eine sichere Klebung. Die Schraube löst dieses Problem.
Für jeden Fall eignet sie sich dennoch nicht. Wenn der Schraubenkanal aufgrund der Implantatachse an der Vorderfläche des Zahns austreten würde, leidet das ästhetische Ergebnis. Auch die Füllung, die den Kanal verschließt, kann sich mit der Zeit verfärben und muss dann erneuert werden.
Stärken und Grenzen der zementierten Lösung
Die Klebeverbindung punktet an anderen Stellen:
- Durchgehende Oberfläche: Im sichtbaren Frontzahnbereich ist eine Krone ohne Zugangsöffnung ein echter Vorteil.
- Toleranz gegenüber der Achse: Steht das Implantat nicht in der idealen Richtung, lässt sich der Winkel über das Aufbauteil ausgleichen und die Krone trotzdem korrekt gestalten.
- Freiere Gestaltung der Kaufläche: Da die Kaufläche unversehrt bleibt, lassen sich Kontaktpunkte feiner ausarbeiten.
Die Grenzen verlangen Aufmerksamkeit. Wird Zement, der unter das Zahnfleisch gedrückt wurde, nicht vollständig entfernt, kann sich um das Implantat herum eine Entzündung entwickeln. Wie dieser Verlauf aussieht, beschreiben wir auf der Seite zur Behandlung von Periimplantitis. Und wenn eine zementierte Versorgung abgenommen werden muss, gelingt das nicht immer ohne Beschädigung.
Wie die Entscheidung zustande kommt
Das ist keine Geschmacksfrage, sondern das Ergebnis der Planung. Wir sehen uns dabei folgende Punkte an:
- Implantatachse und Austritt des Schraubenkanals: Tritt er auf der Rückseite aus, ist die Verschraubung unproblematisch. Läge er vorne, verwenden wir entweder einen abgewinkelten Schraubenkanal oder wechseln zur Zementierung.
- Sichtbarkeit der Region: Bei Zähnen in der Lachlinie wiegt das Erscheinungsbild schwerer.
- Zahnfleischniveau: Liegt der Rand des Aufbauteils tief unter dem Zahnfleisch, wird das Entfernen von Zementresten schwierig, und die Verschraubung ist der sicherere Weg.
- Einzelzahn oder Brücke: Bei längeren Brücken auf mehreren Implantaten gewinnt die Abnehmbarkeit an Bedeutung, deshalb fällt die Wahl meist auf die Verschraubung.
- Kaukräfte und Gegenkiefer: Bei Patienten mit Knirschgewohnheit ist es wertvoll, die Versorgung abschrauben und prüfen zu können.
Welche weiteren Faktoren den Erfolg einer Implantatbehandlung bestimmen, haben wir im Beitrag wann eine Implantatbehandlung besonders erfolgreich ist zusammengetragen.
Und die einteiligen Implantate?
Es gibt auch Implantate, bei denen Körper und Aufbau aus einem Stück gefertigt sind. Weil zwischen Implantat und Aufbau keine Fuge existiert, verhalten sie sich hinsichtlich bakterieller Undichtigkeit an dieser Stelle anders. Dafür ist die Richtung der Versorgung von Anfang an festgelegt, eine Winkelkorrektur ist nicht möglich, und sie eignen sich nicht für jeden Fall.
Auch diese Konstruktionen werden in den Kieferknochen eingedreht, sie sind also ebenfalls nicht schraubenlos. Ob sie infrage kommen, hängt vom Knochenangebot, von der Lage der Lücke und von der geplanten Versorgung ab.
Wie wir in unserer Klinik vorgehen
In unserer Klinik im Stadtteil Oba in Alanya beginnt die Implantatplanung mit einer dreidimensionalen Aufnahme. Die Einbringachse legen wir nicht allein nach dem Knochen fest, sondern mit Blick auf die spätere Versorgung. So verhindern wir von Anfang an, dass der Schraubenkanal im sichtbaren Bereich austritt, und halten uns beide Wege offen.
Im Frontzahnbereich prüfen wir die Möglichkeit eines abgewinkelten Schraubenkanals. Er verlegt die Zugangsöffnung nach hinten und erhält damit sowohl die Abnehmbarkeit als auch das Erscheinungsbild. Entscheiden wir uns doch für eine Zementierung, halten wir den Rand des Aufbauteils nah am Zahnfleisch und behandeln die Entfernung überschüssigen Zements als eigenen Arbeitsschritt.
Bei Patientinnen und Patienten, die aus dem Ausland anreisen und nur begrenzt Zeit haben, richten wir den Ablauf von Beginn an danach aus. Praktische Hinweise zu Anfahrt, Terminfolge und Nachkontrollen finden Sie in unserem Ratgeber Zahnarzt in Alanya. Die tägliche Pflege nach der Behandlung prägt das Langzeitergebnis unabhängig von der Befestigungsart, ein Thema aus unserem Beitrag zur Mundpflege nach einer Implantatbehandlung.
Fazit
Ein Implantat ohne Schrauben ist nicht das, wonach der Name klingt. Der Begriff beschreibt fast immer eine zementierte Versorgung ohne sichtbare Zugangsöffnung, nicht ein Implantat ohne Gewinde. Der Teil im Knochen ist bei beiden Verfahren schraubenförmig. Die Verschraubung überzeugt langfristig durch Abnehmbarkeit und den Wegfall des Zementrisikos, die Zementierung spielt ihre Stärken im sichtbaren Bereich und bei nötiger Winkelkorrektur aus. Die richtige Wahl ergibt sich aus der Position des Implantats, dem Zahnfleischniveau und der geplanten Versorgung. Wir in der Ayşe Erken Zahnklinik treffen diese Entscheidung in der Planungsphase und nicht am Ende der Behandlung, und wir erläutern die Gründe dafür. Wenn Sie wissen möchten, welche Befestigungsart für Ihren Fall passt, können Sie Kontakt mit uns aufnehmen.
