Implantat trotz Knochenschwund: Geht das?

Symbolbild einer Panorama- und dreidimensionalen Kieferaufnahme auf einem Bildschirm zum Beitrag über Knochenschwund und Implantate

Implantat trotz Knochenschwund: Geht das, fragen fast alle Patientinnen und Patienten, bei denen der Zahnverlust einige Jahre zurückliegt. Die kurze Antwort lautet: In den meisten Fällen ist es möglich, doch der Weg dorthin ist nicht bei allen gleich. Die Planung im Kiefer mit vermindertem Knochenangebot hängt davon ab, wie viel Knochen an welcher Stelle fehlt, wie es um die Allgemeingesundheit steht und wie viel Zeit für die Behandlung zur Verfügung steht. In diesem Beitrag erklären wir, wie sich Knochenschwund auf Implantate auswirkt, welche Lösungen infrage kommen und wie die Entscheidung zustande kommt.

Warum der Kieferknochen abgebaut wird

Der Kieferknochen bleibt durch die Kaukräfte erhalten, die durch ihn hindurchgeleitet werden. Fällt ein Zahn weg, entfällt dieser Reiz und der Knochen in diesem Bereich verliert an Volumen. Der Abbau verläuft in den ersten Monaten am schnellsten, verlangsamt sich danach, kommt aber nicht vollständig zum Stillstand. Deshalb kann dieselbe Lücke fünf Jahre später ein völlig anderes Bild zeigen.

Diese Faktoren beschleunigen den Abbau am stärksten:

  • Lange offen gebliebene Lücken: Knochen ohne Belastung verliert im Lauf der Jahre an Höhe und an Breite.
  • Fortgeschrittene Zahnfleischerkrankung: Eine Parodontitis zerstört den zahntragenden Knochen unmittelbar und betrifft meist mehrere Bereiche.
  • Schlecht sitzender herausnehmbarer Zahnersatz: Ungleich verteilter Druck kann den örtlichen Abbau beschleunigen.
  • Trauma und schwierige Extraktionen: Wird die Knochenwand bei der Entfernung geschädigt, bestimmt das das verbleibende Volumen.
  • Systemische Einflüsse: Ein schlecht eingestellter Diabetes, Rauchen und bestimmte Medikamente mit Wirkung auf den Knochenstoffwechsel verschärfen die Lage.

Der Abbau ist nicht nur für Implantate von Bedeutung. Sinkt die Knochenhöhe, kann sich das untere Gesichtsdrittel verkürzen, vorhandener Zahnersatz sitzt nicht mehr richtig und die Abstützung der Nachbarzähne wird schwächer.

Wie sich Knochenschwund auf ein Implantat auswirkt

Ein Implantat ist ein Titankörper im Kieferknochen, der die Aufgabe der Zahnwurzel übernimmt. Damit es einheilt, braucht es rundherum gesundes Gewebe in ausreichender Höhe und Stärke. Sinkt das Volumen, entstehen drei getrennte Probleme: Der Platz für das Implantat wird enger, die mechanische Stabilität in der Anfangsphase nimmt ab und der Abstand zu benachbarten anatomischen Strukturen verkürzt sich.

Diese Strukturen sind im Unterkiefer der Nervkanal und im Oberkiefer die Kieferhöhle. Ein großer Teil der Planung besteht darin, einen sicheren Abstand dazu einzuhalten. Die Frage lautet daher nicht, ob Knochen vorhanden ist, sondern wie viel Knochen in welchem Bereich und in welcher Qualität.

Zu wenig Knochen bedeutet nicht, dass eine Behandlung ausgeschlossen ist. Bei der Beurteilung, bei wem eine Implantatbehandlung angewendet werden kann, ist das Knochenangebot allein längst nicht mehr ausschlaggebend, denn mehrere Verfahren schaffen entweder Volumen oder nutzen das vorhandene besser.

Verfahren, die Knochenvolumen aufbauen

Knochenaufbau mit Transplantat

Beim Knochenaufbau wird an der defizitären Stelle Knochen oder ein Knochenersatzmaterial eingebracht, um ein Fundament für das Implantat zu schaffen. Das Material kann aus eigenem Knochen stammen oder aus aufbereiteten Quellen. Bei kleinen Defekten lässt sich der Aufbau im selben Termin wie die Implantation durchführen. Bei größerem Verlust erfolgt zuerst der Aufbau, danach reift das Gewebe aus.

Die Wartezeit richtet sich nach der Größe des Defekts und nach dem verwendeten Material. Feste Zeitpläne, die vorab versprochen werden, sollte man mit Vorsicht betrachten, denn die Ausreifung ist ein biologischer Vorgang und verläuft individuell.

Anhebung des Kieferhöhlenbodens

Im hinteren Oberkiefer dehnt sich die Kieferhöhle nach Zahnverlust nach unten aus, und die für ein Implantat verfügbare Höhe nimmt ab. Die Sinus-Lifting-Anwendung beruht darauf, die Schleimhaut der Kieferhöhle kontrolliert anzuheben und in den entstandenen Raum Aufbaumaterial einzubringen. Liegt die verbliebene Knochenhöhe über einem bestimmten Wert, lässt sich der Eingriff mit der Implantation in einer Sitzung verbinden.

Unterstützung des Weichgewebes

Seltener besprochen, aber wichtig: Die Breite des befestigten Zahnfleischbandes um ein Implantat beeinflusst das langfristige Ergebnis. Dünnes und bewegliches Gewebe erschwert die Reinigung und bereitet späteren Problemen den Boden. Bei Bedarf wird das Weichgewebe zusammen mit dem Knocheneingriff verstärkt.

Verfahren, die den vorhandenen Knochen besser nutzen

Nicht in jedem Fall muss Knochen aufgebaut werden. Manche Konzepte nutzen einfach klüger, was vorhanden ist:

  • Angulierte Implantation: Implantate werden in bestimmten Winkeln in den dichtesten verfügbaren Knochen gesetzt, wodurch sich ein Aufbau verringern oder vermeiden lässt. Das All-On-Four-Implantatsystem und das All-On-Six-Implantatsystem beruhen auf diesem Prinzip.
  • Kurze Implantate: Bei begrenzter Höhe lassen sich kürzere Körper wählen. Bei richtiger Indikation sind sie eine verlässliche Option.
  • Durchmesserreduzierte Implantate: Auf einem schmalen Kieferkamm helfen sie, zusätzliche Chirurgie zu vermeiden.
  • Anzahl und Verteilung ändern: Manchmal liegt die Lösung nicht in mehr Implantaten, sondern in einer besseren Verteilung auf die verbliebenen gesunden Bereiche.

Alle diese Wege verfolgen dasselbe Ziel: die Behandlung zu verkürzen und den chirurgischen Umfang zu begrenzen. Welcher davon passt, lässt sich ohne dreidimensionale Bildgebung nicht sagen.

Wie der Plan entsteht

Bei Knochenabbau ist die Planung ausführlicher als bei einer Routineimplantation. Wir arbeiten die folgenden Punkte der Reihe nach ab:

  • Dreidimensionale Bildgebung: Höhe, Breite und Dichte des Knochens werden gemessen, Lage von Kieferhöhle und Nerv werden bestimmt.
  • Zahnfleischgesundheit: Bei aktiver Entzündung wartet der Implantatplan, und zuerst wird dieser Befund behandelt.
  • Allgemeinzustand und Medikamente: Blutzuckereinstellung, Präparate mit Einfluss auf den Knochenstoffwechsel und Gerinnungshemmer verändern den Ablauf unmittelbar.
  • Rauchen: Es ist der wichtigste beeinflussbare Faktor für den Erfolg des Aufbaus und für die Heilung rund um das Implantat.
  • Das prothetische Ziel: Was oben entstehen soll, festsitzend oder herausnehmbar, bestimmt von Anfang an die Position des Implantats.

Digitale Planungssoftware erlaubt es, Position und Winkel des Implantats vor dem Eingriff festzulegen. Bei knappem Knochenangebot ist das der praktischste Weg, einen sicheren Abstand einzuhalten. Die Seite dazu, wie die Implantatbehandlung erfolgt, ist ein guter Einstieg für alle, die den gesamten Ablauf überblicken möchten.

Wie wir solche Fälle in unserer Klinik angehen

In unserer Klinik in Alanya beginnt jeder Fall mit Knochenabbau mit einer Messung. Ein Panoramabild allein genügt nicht, deshalb fertigen wir eine dreidimensionale Aufnahme an und beurteilen den Knochen genau an der Stelle, an der das Implantat sitzen soll. Anschließend legen wir das prothetische Ziel fest, denn ohne zu wissen, was darauf entstehen soll, lässt sich die Position nicht bestimmen.

Liegt eine Zahnfleischerkrankung vor, teilen wir den Plan in zwei Abschnitte. Zuerst wird die Entzündung unter Kontrolle gebracht, die chirurgische Phase folgt, sobald sich das Gewebe beruhigt hat. Pläne, die diese Reihenfolge umkehren, halten nicht lange. Die chirurgische Phase führen wir im Rahmen der Zahnimplantat-Chirurgie durch, und wenn ein Aufbau nötig ist, sprechen wir das zu Beginn offen an und nicht erst mittendrin.

Bei Patientinnen und Patienten aus dem Ausland legen wir den Zeitplan vorab fest. Bei mehrstufiger Behandlung vereinbaren wir, welcher Schritt bei welchem Besuch stattfindet und welche Kontrollen nach der Rückkehr nötig werden. Ist die Zeit knapp, teilen wir die Behandlung lieber auf, statt einen gedrängten Plan zu erzwingen.

Was den Knochenabbau verlangsamt

Am wirksamsten ist es, eine Lücke nicht über Jahre offen zu lassen. Wird eine Lücke früh versorgt, erhält der Knochen weiterhin Reize und der Verlust bleibt weitgehend begrenzt. Ebenso wichtig ist die frühe Erkennung einer Zahnfleischerkrankung, denn eine Parodontitis verläuft still und kann mit der Zeit große Bereiche betreffen.

Regelmäßige Kontrollen, professionelle Reinigung und eine solide häusliche Pflege bilden für beides die Grundlage. Wer bereits herausnehmbaren Zahnersatz trägt, sollte den Sitz in Abständen prüfen lassen, denn das verringert den Abbau durch ungleichmäßigen örtlichen Druck.

Pflege nach der Implantation

Bei Patientinnen und Patienten, die wegen Knochenabbau zusätzliche Eingriffe benötigt haben, wiegt die Pflege noch schwerer. Plaque rund um ein Implantat entzündet zunächst das Zahnfleisch und kann sich dann zu einer Periimplantitis entwickeln, die den Knochen erfasst. Wird das spät bemerkt, kann das gewonnene Volumen wieder verloren gehen.

Regelmäßige Kontrollen, Zahnzwischenraumpflege und bei Bedarf professionelle Sitzungen senken dieses Risiko deutlich. Der Kontrollabstand ist nicht für alle gleich. Wurde aufgebaut und liegen Risikofaktoren vor, planen wir die Termine enger.

Fazit

Knochenschwund ist in den meisten Fällen ein Hindernis, um das sich eine Implantatbehandlung herumplanen lässt. Werden aufbauende Verfahren und Konzepte, die den vorhandenen Knochen effizienter nutzen, gemeinsam betrachtet, entsteht selbst bei jahrelanger Zahnlosigkeit ein realistischer Plan. Entscheidend ist, dass die Entscheidung auf Messung beruht und nicht auf Annahme. Wir in der Ayşe Erken Zahnklinik beurteilen zuerst den Knochen dreidimensional, stellen die Zahnfleischgesundheit her und planen anschließend nach dem prothetischen Ziel. Wenn Ihnen gesagt wurde, dass Knochenabbau Implantate ausschließt, können Sie Kontakt mit uns aufnehmen und einen Termin zur individuellen Beurteilung vereinbaren.

ENTRU